Warum die rüstige Rentnerin Christa mit Whisky lieber Robotaxi statt per Hausfrauenkarte fährt
Wer glaubt, Robotaxis in Bonn seien nur Zukunftsmusik, irrt sich: Die rüstige Rentnerin Christa würde für’s autonome Fahren sogar eine App installieren. Innerorts fährt sie Bus und Bahn und erinnert sich an die komplizierte Hausfrauenkarte der SWB. Ein Bonner Original mit Whisky und einer Geschichte, die zum Schmunzeln und Weiterlesen einlädt.
Mitte der 1980er-Jahre. Jeden Morgen dieselbe Route: von Bonn-Beuel zum Landgericht in Bonn, Linie 62. Christa, damals noch mitten im Berufsleben, hatte ihren treuen Begleiter Whisky dabei – einen Hund, der den Namen des guten Tropfens trug und der natürlich mitfahren musste. Und weil Christa pfiffig, sparsam und ehrlich war, stempelte sie ihre Hausfrauenkarte brav zweimal ab: einmal für sich, einmal für Whisky.
Die Hausfrauenkarte war ein echtes Schmankerl der SWB, Stadtwerke Bonn Bus&Bahn: von 10 bis 16 Uhr günstiger, acht Fahrten auf der roten Streifenkarte. Hunde und Kinderwagen kosteten wie Erwachsene – also stimmte die Rechnung. Das dachte Christa jedenfalls.
SWB Kontrolleur verbot die Hausfrauenkarte
Dann kam der Kontrolleur der SWB. Der war offenbar mit dem falschen Bein aufgestanden und hatte eine klare Meinung: Ein Hund sollte nicht so billig davonkommen wie eine Hausfrau.
„Basta. Bei mir gibt es das nicht. Hunde müssen voll bezahlen. Keinen Hausfrauentarif!“
Und dann stempelte er der völlig perplexen Christa kurzerhand alle restlichen sechs Fahrten der frisch gekauften Streifenkarte ab. Aus der Hand gerissen, könnte man sagen.
Entsetzt, aufgewühlt, aber pünktlich, erzählte sie Ihrem Chef von ihrem Erlebnis. Der reagierte sofort:
„Ruf die Stadtwerke an. Ich glaube nicht, dass das so rechtens war.“
Gesagt, getan. Schon am Telefon wurde klar: Der Kontrolleur hatte wohl schlechte Laune gehabt – oder einfach etwas gegen Damen mit Hund.
Vor Ort in der SWB-Zentrale entschuldigte man sich später persönlich für den Vorfall auf der Linie 62. Christa hatte alles richtig gemacht. Die Hausfrauenkarte galt für Erwachsene, Hunde und Kinderwagen gleichermaßen. Zweimal abstempeln war korrekt. Dem Kontrolleur, so hieß es, würden sie die Ohren langziehen. Christa erhielt als Entschuldigung und zur Wiedergutmachung nicht nur eine sondern zwei neue Hausfrauen-Streifenkarten.

Mittags braucht man einen Schuhanzieher!
Heute, Jahrzehnte später fährt Christa, inzwischen rüstige Rentnerin, gerne zu ihrer Freundin nach Bechlinghoven. Der ÖPNV ist immer noch ihr tägliches Thema – nur heute in die andere Himmelsrichtung.
Die 608 und 609, die Richtung Pützchen fahren, sind mittags so voll, „da braucht man einen Schuhanzieher, um reinzukommen“. Kinderwagen und Rollstühle sind den ganzen Tag zwar kostenlos. Ihren Rollator nimmt sie ungern mit in den ÖPNV: Der Bus ist ohnehin vollgestopft, und extra den Busfahrer bitten, den Einstieg abzusenken, ist ihr unangenehm.
Abends ist der Bus manchmal so leer, dann denkt sie: „Hier kannste Walzer tanzen.“.
Zur ihren beiden Töchtern und Familien nach Menden oder gar nach Eitorf dauert es mit Bus und Bahn ewig, obwohl die Entfernung überschaubar ist. Zum Glück holt der Schwiegersohn sie oft mit dem Auto ab.
Auf die aktuelle Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Bonn-Beuel und Koblenz angesprochen antwortet die immer noch preisbewusste Seniorin wie aus der Pistole geschossen – überraschend maritim:
„Nach Königswinter nehmen meine Freundin und ich lieber das Schiff: Das ist billiger und die vorbeiziehende Landschaft ist schöner als TV schauen.“
In Bonn-Beuel ist man offensichtlich seit Generationen mit allen Wassern gewaschen und wählt sehr pragmatisch einfach das Verkehrsmittel, was am besten passt. Auch im hohen Alter.
Christa, Whisky und das Robotaxi in Bonn-Beuel
Im Beueler Eiscafé Theatro, in dem sich auch regelmäßig die Politikerinnen und Politiker der Beueler Bezirksversammlung zusammensetzten, erfährt Christa von selbstfahrenden, elektrischen Robotaxis aus den USA.
Sie kann sich das sofort lebhaft vorstellen. „Klar.“ sagt sie: „Früher musste man selber die Türen beim Bus per Hand öffnen und für das Abstempeln der Streifenkarten war ein Kontrolleur zuständig. Heute geht das alles automatisch. Warum soll das Fahren nicht auch automatisch funktionieren?
Und, wenn es dann noch preiswerter und komfortabler ist, als eine Busverbindung nach Eitorf mit mehrmaligem Umsteigen – dann nehme ich das Robotaxi sofort.
Facebook App verboten – Robotaxi App erlaubt?
Facebook? Und Apps? Hat sie nicht. Davon hat ihre Tochter ihr abgeraten – zu viele sinnlose Blödeleien. Das braucht niemand: „Und hinterher bestellst Du noch Dinge, die Du gar nicht willst.“
Aber für ein Robotaxi, da würde sich Christa, die passende Robotaxi-App installieren und sich alles erklären lassen.
Ihre Tochter will sie davon überzeugen, dass das ok ist. Denn eines hat sich seit den 1980ern nicht geändert: Christa mag es, wenn die Rechnung stimmt – und wenn niemand meint, ein Hund oder eine Rentnerin, mit oder ohne Rollator, müssten extra teuer oder extra unbequem unterwegs sein.
Als nächstes: Zum Robotaxi testen in den Eifelkreis Bitburg-Prüm
Jetzt freut sich Christa auf einen Trip in die Eifel: Robotaxis testen. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm gibt es seit 2025 einen Bürgerbus-Service mit autonomen Robotaxis. Und der Service ist sogar heute noch gratis. Über dieses spannende Erlebnis berichtet Christa im Teil 2 dieser Serie über die rasante Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs.

Hinweis: Dieser Text basiert auf einem realen Interview mit der realen Rentnerin Christa im August 2026.
- Teil 1: Warum die rüstige Rentnerin Christa mit Whisky lieber Robotaxi statt per Hausfrauenkarte fährt
- Teil 2: Die rüstige Rentnerin Christa testet erstmals in ihrem Leben ein Robotaxi in der Eifel
- Teil 3: Rentnerin Christa aus Bonn-Beuel eröffnet das Robotaxi-Erlebnis-Wochenende links und rechts der Bonner Südbrücke.
Anmerkung der Redaktion:
- Wer von unseren Leserinnen und Lesern erinnert sich noch an die Hausfrauenkarte – und hat vielleicht auch Kurioses damit erlebt?
- Wer hat bereits Robotaxis in den USA erlebt?